Bei den meisten Menschen ist es wohl noch nicht richtig angekommen, daher hier die Info für alle: die PDF ist auf dem absteigenden Ast. Mindestens im Bauwesen.

Wer schon einmal mit einer KI gearbeitet hat versteht das grundsätzliche Vorgehen. Man packt eine PDF in den Chat und lässt die KI die PDF verarbeiten oder interpretieren. Das funktioniert grundsätzlich gut. Doch im Bauwesen geht es leider nicht bloß um PDFs. Es geht leider nicht mal um eine bestimmte Art von Dateiinhalt innerhalb der PDF.

Wer schon einmal mit einem Bauwerk in Berührung gekommen ist, wird das festgestellt haben. Bauen ist weit mehr als bloß Text. Es sind Baupläne, Tabellen, Grafiken und Berichte. All diese Informationen leben in unterschiedlichen Dateiformaten. Textdokumente werden in DOC Formaten gespeichert, Tabellen in XLS. Zeichnungen haben überhaupt keine Einheitlichkeit sondern richten sich nach dem Hersteller: RVT, DWG, DXF, NWD, DGN. Und das sind nur die nativen Formate der Hersteller. On top kommen noch dutzende Formate die zum Austausch zwischen Gewerken und Unternehmen genutzt werden. Auch hier gibt es mehr als genug dreiteilige Kürzel. Zum Beispiel IFC, XML und SHP.

Und dann gibt es noch das Austausch Format schlechthin: PDF. Kann alles sein, kann jeder lesen. Perfekt. Oder auch nicht. PDF ist nicht der König der Formate. PDF ist der König der Unsicherheit.

Nur anhand der Dateiendung lässt sich nicht erkennen was eine PDF beinhaltet. Ein Textdokument? Eine Tabelle? Eine Grafik? Falls es eine Grafik ist, dann eine vektorisierte? Oder ein Raster Foto aus Pixeln? Wenn es ein Pixel Foto ist, was stellt es dann dar? Das Bild eines Gebäudes, aufgenommen von einem Smartphone? Den Scan eines Papierplans? Den Scan einer Tabelle? Sind es mehrere Fotos?

Die Unsicherheit die PDF mit sich bringt ist grundsätzlich schon problematisch. Die Tatsache, dass ein Bauwerk nie über ein einzelnes Dokument beschrieben werden kann macht es schlimmer.

Eine Wand kann in einem Grundriss dargestellt sein. Oder aber in einem Schnitt. Pläne haben unterschiedliche Entwicklungsphasen und Maßstäbe, die jeweils unterschiedliche Informationsgehalte beinhalten. Der Wandaufbau lässt sich manchen Planunterlagen entnehmen, anderen hingegen nicht. Wände sind aber nicht nur in Plänen vorhanden. Wandaufbauten und Wärmeübergangskoeffizienten lassen sich in Tabellen finden. Aussagen zur Bauzeit aus Terminplänen. Statische Informationen aus den Berechnungsergebnissen von Programmen. Darstellungen in Renderings.

Verschiedene Dateien beschreiben verschiedene Aspekte dessen was wir als Menschen als “die Wand” verstehen. Aber verschiedene Disziplinen betrachten eine Wand mit verschiedenen Schwerpunkten. Daraus ergeben sich unterschiedliche Anforderungen und unterschiedliche Facetten derselben Wand, die die Wand schnell zu einem Multidimensionalen Objekt werden lassen.

Nur können diese Beziehungen in einer PDF nicht mehr dargestellt werden. Wenn Grundriss und Tabelle vorliegen, dann ist eine Verknüpfung der Informationen für Projektbeteiligte logisch. Eine inhärente Logik darüber, dass die Dokumente in Bezug stehen, gibt es aber nicht.

Das Bauwesen lebt von verschiedenen Dokument- und Dateitypen. Bauwerke sind komplexe Objekten mit tausenden von Informationen. Die alle auf ein einziges Format runterzubrechen hilft niemandem.

Innerhalb des Bauwesens gibt es Bestrebungen diese Formate anzupassen. BIM Modelle bilden semantische Informationen ab und verknüpfen Daten miteinander. Daten, die dann von einer KI im entsprechenden Kontext und ohne Interpretationsspielraum verarbeitet werden können.

PDFs können alles sein. Das macht sie so attraktiv. Und gleichzeitig so problematisch. Sie sind unglaublich vielseitig, stellen Informationen immer, auf jedem Gerät, gleich dar. Sie sind wahnsinnig dumm, wahnsinnig simpel. Die Attraktivität der PDF liegt in der Stabilität. Aber besser geeignet für eine KI sind sie deswegen nicht.

Eine KI ist in der Lage eine PDF zu analysieren. Aber das stellt einen Versuch dar unsaubere Daten zwanghaft in eine Form zu pressen, statt die Daten im ersten Schritt sauber aufzubereiten. PDFs in einer KI bekämpfen Symptome, nicht die Probleme. Verpasste Digitalisierung. Übertragung von Prozessen in eine neue Welt in die sie nie gehört haben.

KI ist sicherlich kein Allheilmittel. Aber KI deckt Versäumnisse auf, die es jetzt anzugehen gilt. Das Bauwesen hat jetzt die Chance im Rahmen von KI Einführungen an diesen Versäumnissen zu arbeiten. Es braucht klarere Strukturen, besser aufbereitete Modelle und Prozesse die uns ermöglichen den vollen Nutzen aus der KI zu ziehen.

Das PDF-Format wurde 1992 entwickelt. Wir sind 24 Jahren gut damit gefahren. Wir werden auch noch weitere Jahre damit fahren. Aber der Mensch baut seit tausenden Jahren. PDF war ein erster Schritt in Richtung einer digitalen Baubranche. Aber PDF ist zu jung um der finale Schritt zu sein. Es gilt jetzt die nächsten Schritte zu tun.