Ich liebe es, neue Infos über YouTube-Videos zu lernen, aber ich habe ein Problem. Das liegt nicht unbedingt an der Qualität der Videos. Mein Problem ist die Menge. Meine Watchlist quillt über mit Unterhaltungsvideos und Tutorials, bei denen ich mir in der Vergangenheit gedacht habe: “Das muss ich mir anschauen”. Nur wer tut das schon?

Mit den Automationstools in der ersten Phase der KI-Welle schien dann die Möglichkeit gekommen, der Flut an Videos Herr zu werden: KI kümmert sich. Dementsprechend war einer meiner ersten Use-Cases unter Einbindung von n8n eine Automation um meine Watchlist aufzuräumen: Einmal die Woche wird die gescannt und jedes Video in 250 Worten zusammengefasst. Dann bekomme ich eine Mail der Zusammenfassung und eine Empfehlung, ob sich das Video lohnt.

Perfekte Lösung, oder? Statt zig Videos in meiner Liste zu haben, die mich jedes Mal kognitiv belasten, wenn ich YouTube öffne, hab ich jetzt jede Woche eine E-Mail mehr in meinem Posteingang, die zu lesen mich mehr als 10 Minuten kostet und mich jedes Mal kognitiv belastet wenn ich mein Mail Programm öffne.

In den ersten Wochen hielt ich das Ganze noch für eine gute Idee. Bis die Mails dann länger wurden. Sich Videos anzuschauen, erzeugt durch die Zeit, die man sich nehmen muss grundsätzlich erstmal Reibung. Videos in eine Liste zu packen dagegen nicht. Das führte rasch dazu, dass die Liste wuchs. Rasant. Aus ein paar Videos pro Woche wurden schnell ein paar Dutzend. Mangels Erfolg wurde das Projekt dann relativ schnell eingestellt.

Das Beispiel zeigt eine generelle Gefahr, wenn man beginnt Prozesse zu automatisieren, ohne sich selbige vorher überhaupt mal anzuschauen. Die technische Umsetzung einer KI, die einem das Schauen von YouTube-Videos abnimmt, ist heute kein Problem mehr. Das macht den ursprünglichen Prozess deswegen aber nicht sinnvoller.

Wie eigentlich immer wäre es besser gewesen, wenn ich erstmal mein Ziel hinterfragt hätte: Will ich einfach nur viele Videos durchschleusen? Oder will ich Videos für später auswählen?

Hier lag auch mein Fehler. Die ganze Automation war darauf ausgelegt, möglichst viele Videos zu verarbeiten. Ergo die wachsende Playlist. Dabei war mein eigentlicher Gedanke ja immer gewesen, Videos auch zum Lernen zu verwenden. Die Entscheidung wurde aber letztlich nur von der Watchlist in den Posteingang verschoben.

Richtig angewandt kann die KI, kann jede Automation helfen, uns das Leben leichter zu machen. Allerdings müssen die Rahmenbedingungen besser benannt sein.

Prozesse vereinheitlichen das Vorgehen größerer Gruppen und Automatisierung hilft dabei aufgesetzte Prozesse im großen Maßstab zu skalieren. Aber ganz am Anfang muss die Frage stehen ob man hier überhaupt das richtige Problem angeht. Will ich dieses Video gucken? Will ich mich hiermit längerfristig auseinandersetzen? Oder verlagere ich die Pain Points nur in einen weiteren Prozess, den ich im Auge halten muss?